Wie UX zur Flugsicherheit beitragen kann

Foto, abgebilldet von links nach rechts: Verena Seibert-Giller, Benedikt Salzbrunn, Zorana Petrovic, Alexander Neuhaus und Gerd Palmetzhofer
Foto (von links nach rechts): Verena Seibert-Giller, Benedikt Salzbrunn, Zorana Petrovic, Alexander Neuhaus und Gerd Palmetzhofer

Spannend, praxisnah und persönlich – unser UX Management Master hat viele gute Seiten. Ein ideales Beispiel dafür ist die Masterarbeit von Zorana Petrovic. Sie hat für ihre Arbeit mit Frequentis AG zusammengearbeitet und die Nutzung verschiedener Eingabegeräte im Betrieb digitaler Tower in der Flugsicherung analysiert. Das Ergebnis ist eine Abschlussarbeit zu einem wichtigen, aktuellen Thema mit Praxisbezug und echtem Impact.

Zorana erklärt Details sicherheitskritischer UX Gestaltung

Der Titel der Masterarbeit ist „Enhancing Usability in Air Traffic Control through Human-Centered Interaction Design of Input Devices: A Case Study on the Frequentis Tower Solution”. Sie beweist eindrücklich UX ist mehr als ästhetisches Design. In sicherheitskritischen Bereichen wird das besonders deutlich. Hier kann etwas scheinbar Simples, wie die Größe eines Buttons entscheidend sein, ob ein Sicherheitsnormen erfüllt werden und die Farbe eines unbedeutenden anmutenden Elements entscheidend dafür sein, ob Warnungen effektiv wahrgenommen werden oder nicht. Mit ihrem Fachwissen können UX-Expert*innen solche Konflikte erkennen und haben die Kompetenz Auftraggeber*innen anzuleiten, um schwerwiegende Fehler zu vermeiden. Das spart unnötige Entwicklungskosten und kann kostspielige Konsequenzen verhindern.

Fachgespräche auf Augenhöhe: Alumna Zorana diskutiert mit Expert*innen

Zur Ausgangslage

Der Remote Digital Tower, mit dem Zorana gearbeitet hat, ist ein innovatives Setup, das die Situation in einem Flugkontroll-Tower mit zahlreichen Anzeigen voller wichtiger Informationen abbildet. Verschiedene Systeme sollten zu einer harmonischen Produkt-Suite zusammengefasst werden. Dabei müssen verschiedene Elemente wie unterschiedliche Oberflächen und Eingabesysteme aufeinander abgestimmt werden. Im Rahmen der Masterarbeit wurden Eingabemethoden und neue UI-Elemente betrachtet, in enger Abstimmung mit einem Projekt der Frequentis, das positive Impulse aus der Masterarbeit ziehen und für die Masterarbeit liefern konnte. Die so entstandenen Synergien zeigten deutlich, dass ein Humancentered Designprozess deutlich bessere Ergebnisse liefert.

Remote Digital Tower © Frequentis
Remote Digital Tower © Frequentis

Die Analyse basierte auf Experteninterviews, denen ein Prototyp folgte, mit dem Workflows in unterschiedlichen Formen und mit unterschiedlichen Eingabemethoden getestet wurden. Unterstrichen hat die Analyse unter anderem die Bedeutung von Redundanzen. Denn gerade bei den Eingabemethoden war die Erwartung, dass die Nutzer*innen eine Methode bevorzugen würden. Dieser Erwartung wurde aber konkret widersprochen. Im Gegenteil betonten die Nutzer*innen wie wichtig ihnen die Optionen, die mehrere Eingabemöglichkeiten bieten, sind. Damit sind Redundanzen in diesem Bereich nicht nur durch Richtlinien vorgegeben, sondern werden auch von Nutzer*innen als essenziell eingestuft. Besonders weil die bevorzugte Eingabe nicht nur aufgrund persönlicher Präferenzen, sondern situationsabhängig unterscheiden.

Ein nutzerfreundliches Ergebnis braucht Expertise

Alles konfigurierbar zu machen, mag auf den ersten Blick nutzerfreundlich erscheinen, bringt aber Herausforderungen mit sich. Zoranas Analyse zeigte, dass trotz der individuellen Anpassbarkeit, die vermeintlich erlaubt, Programme auf jedes Einzelprojekt passgenau abzustimmen, viele Probleme projektübergreifend bestehen und behoben werden könnten. Denn dadurch, dass so viel angepasst werden kann, ergibt sich eine Vielzahl möglicher Kombinationen und nur wenigen Nutzer*innen gelingt es eine harmonische Abstimmung zu finden. Ihnen fehlt schlicht das Spezialwissen von UX-Expert*innen. Zu den Kernaufgaben von UX-Expert*innen gehört es daher, ihr Wissen einzubringen und für eine gut nutzbare Gestaltung zu sorgen.

Technikum Wien Academy Alumna Zorana und Frequentis Vertreter Alex Neuhaus

Über die Frequentis AG

Frequentis steht „For a safer world”. Die Lösungen von Frequentis kommen in Kontrollzentralen und Leitstellen zum Einsatz und helfen, die Welt sicherer zu machen.

Frequentis ist Weltmarktführer bei High-Tech-Systemen für die Flugsicherung: zivile und militärische Flugsicherungen (Segment Air Traffic Management) sowie Polizei, Rettung, Feuerwehr, Bahn und Schifffahrt (Segment Public Safety & Transport) setzen auf Frequentis‘ umfangreiches Portfolio.

Das börsennotierte Familienunternehmen mit Sitz in Wien ist Treiber innovativer, nachhaltiger Lösungen für Sicherheit im täglichen Leben und im sicherheitskritischen Bereich. Angebote zur Luftverkehrsoptimierung für Flugsicherungszentralen unterstützen bei der Reduktion von Emissionen.

Der Weltkonzern mit über 2.600 Mitarbeiter:innen (Vollzeitäquivalente, FTE) verfügt über ein globales Netzwerk von Gesellschaften in über 50 Ländern. Die Produkte, Services und Lösungen sind in rund 150 Ländern im Einsatz. Frequentis notiert an der Wiener und Frankfurter Börse. Im Jahr 2025 wurde ein Umsatz von rund EUR 580 Mio. und ein EBIT von rund EUR 47 Mio. erwirtschaftet (vorläufige Zahlen).

Zum MBA Programm „User Experience Management“

Der Hochschullehrgang User Experience Management verbindet Design, Technik, Psychologie und Management. Vermittelt werden zentrale UX-Methoden wie User Research, Prototyping und Testing sowie die Fähigkeit, nutzerzentrierte Lösungen strategisch umzusetzen. Die erworbenen Kompetenzen sind für Fachkräfte wie auch für Unternehmen entscheidend für den Erfolg digitaler Angebote.