Digitalisierung

Digitalisierung ist ein globales Phänomen und in vielen Bereichen unseres täglichen Lebens nicht mehr weg zu denken. Unzählige technische Errungenschaften tragen zu digitalem Wandel bei. Aber was versteht man eigentlich unter Digitalisierung, wo findet sie statt und welche Bedeutung kommt ihr zu? Was sind die Vorteile von Digitalisierung und welche Gefahren bringt sie mit sich?

1. Was ist Digitalisierung?

Der Begriff der Digitalisierung ist nicht eindeutig definiert, bedeutet aber im ursprünglichen Sinn die Umwandlung von zuvor analogen Informationen in digitale Formate. Schriftstücke, Baupläne, Objektmodelle, Briefe, Fotos oder Filme – all diese Dinge müssen heute nicht zwingend in realer, physischer Form vorhanden sein, sondern werden durch Verwendung von Computern, Smartphones oder Tablets digital gespeichert und bei vorhandener Internetverbindung untereinander geteilt.

Im Gegenteil: viele Dokumente existieren überhaupt nicht mehr analog, sondern nur noch digital. Sie können ohne Probleme gespeichert, kopiert, verändert, verschickt oder weiterverarbeitet werden. Wenn ein Dokument (womöglich versehentlich) gelöscht wird, ist es mit großer Wahrscheinlichkeit noch an einem anderen Ort gespeichert. 

2. Analog wird zu digital - wie funktioniert die Umwandlung?

Mittels diverser technischer Geräte wie Sensoren, Scanner, Mikrofone oder Thermometer werden die analogen Formate in diversen Arbeitsschritten abgetastet, erfasst und gemessen und schließlich in einen digitalen Wert übersetzt. Die Gesamtheit aller so ermittelten Informationen wird mittels binärem Code abgespeichert.

Dieser Code besteht nur aus den beiden Werten 0 und 1. Jede kleinste Information wird auf derartige Weise nach gewissen Kodierungsformen und Schemata abgelegt. Mit speziellen Programmen werden die Codes mühelos gelesen, verarbeitet und gespeichert, um in weiterer Folge über digitale Medien die Gesamtinformation anschaulich wiederzugeben. Dabei enthält das entstandene digitale Produkt zusätzlich Metadaten. Diese „Hintergrundinformationen“ liefern Details zu Farbwerten oder Aufzeichnungen zum Erstellungszeitpunkt.

3. Die digitale Transformation

Große Bedeutung nimmt auch der Begriff des digitalen Wandels beziehungsweise der digitalen Transformation ein. Darunter versteht man den gesamten Veränderungsprozess, welcher aufgrund der Einführung der digitalen Technologien vonstatten geht. Der Wandel umfasst hierbei die gesamte Gesellschaft – das einzelne Individuum, die Unternehmen, den Staat, die Wirtschaft und die Politik – und die Wechselwirkung sowie die Interaktion aller beteiligten Akteure mit- und zueinander. 

Grundvoraussetzung für die digitale Transformation sind einerseits technologische Infrastrukturen wie das Internet, Netzwerksysteme und -protokolle, sowie Endgeräte zur digitalen Nutzung. Ein weiterer essentieller Faktor neben den Hardwarekomponenten ist die Entwicklung digitaler Technologien wie beispielsweise Datenanalysemöglichkeiten, System- und Software-Engineering, cloudbasierte Webanwendungen, Big-Data-Technologien oder IT-Sicherheitsvorkehrungen. 

Doch nicht nur Geräte und technische Neuerungen sind unerlässlich, ebenso ist die Bereitschaft und Fähigkeit des Menschen unumgänglich. Neben der Programmierung und Prozessgestaltung muss das Individuum auch die Kompetenz erlangen, als Userin bzw. User die digitale Transformation mitzumachen und mitzugestalten. 

Ein wichtiger Akteur im Bereich der digitalen Transformation ist der Staat, der einerseits als Anbieter fungiert, andererseits eine notwendige Steuerungsfunktion innehat und mitunter zu Datenschutz und IT-Sicherheit seinen Beitrag leistet. 

Daneben kommt der Wissenschaft große Bedeutung zu, denn ohne Forschung und Lehre gäbe es keine technologischen Errungenschaften.

4. Digitalisierung in der Arbeitswelt

Besonders augenscheinlich schreitet der Prozess der Digitalisierung in der Arbeitswelt voran. Flexibilisierung, Automatisierung, Optimierung von Geschäftsprozessen oder ständige Erreichbarkeit sind nur einige der Schlagworte, die im Bereich der Wirtschaft und der Unternehmensführung nicht mehr wegzudenken sind. Die digitalen Fortschritte umfassen aber nicht einfach nur die Neuanschaffung von Computern oder die Einführung flexibler Arbeitszeitmodelle. Es entstehen vielmehr neuartige Geschäftsmodelle sowie umfangreiche Produktentwicklungen und Vertriebswege

Kommunikationswege innerhalb von Unternehmen, aber auch zwischen Firmen und Endkundinnen bzw. Endkunden sind großen Veränderungen unterworfen. Nicht nur Menschen, auch Arbeitsprozesse und Geräte sind vermehrt miteinander vernetzt. Orts- und zeitunabhängiges Arbeiten und ständige Erreichbarkeit werden immer populärer, da der Zugriff auf jegliche Daten bequem im Home-Office über das Internet möglich ist. Besprechungen, Schulungsmaßnahmen oder Trainings finden vermehrt auf virtueller Basis statt. In vielen zumeist größeren Unternehmen gibt es heute Mitarbeiterinnen bzw. Mitarbeiter, die einzig für SocialMedia-Kommunikation und digitales Marketing eingestellt werden.

Neben all den scheinbar unfassbaren Vorteilen der Digitalisierung von Arbeitsprozessen muss aber auch die Kehrseite der Medaille betrachtet werden. Besonders kleinere Unternehmen haben Schwierigkeiten, mit der Konkurrenz mitzuhalten. Die Wettbewerbsfähigkeit schwindet, während größere Betriebe aufgrund besserer Liquidität oft einfacher in die Welt der Digitalisierung eintauchen.

Des Weiteren werden besonders aufgrund von stattfindenden Automatisierungsprozessen viele Arbeitsplätze wegrationalisiert, da die Arbeit schlichtweg auch von Maschinen oder Robotern durchgeführt werden kann. 

Doch nicht in allen Berufen schreitet das Digitalisierungszeitalter gleichermaßen voran. Besonders im sozialen Bereich wie der Kinderbetreuung oder der Krankenpflege sind es noch immer die Individuen, die in zwischenmenschlichem Kontakt die Arbeit vor Ort verrichten. 

5. Digitalisierung im privaten Leben

Nicht nur im Berufsleben, auch im privaten Bereich ist Digitalisierung im Vormarsch. Der Großteil der Menschen besitzt in der heutigen Zeit ein Smartphone, um zu jeder Zeit an jedem Ort erreichbar zu sein. Neben der Interaktion per Telefon sind es vor allem SocialMedia-Kanäle, die immer mehr Zuspruch finden. Aber auch die Möglichkeit des zeitnahen Sharings von Fotos, Videos und Mitteilungen gewinnt an Popularität. Freundschaften und der Kontakt zu Familienmitgliedern werden auf diese Weise nicht nur persönlich, sondern auch digital oder virtuell gepflegt.

Neben der Digitalisierung im Bereich der Kommunikation sind Smart Homes oder Smart Cars weitere Beispiele für Veränderungen im privaten Sektor. Ein Wandel findet aber in nahezu allen Bereichen des täglichen Lebens statt. Der Einkaufszettel wird vermehrt auf digitalen Medien verfasst. Im Geschäft ist bargeldloses Bezahlen per Smartphone möglich. Online-Streamingdienste oder Mediatheken lösen das analoge Fernsehen ab. Werbung wird zielgruppen- beziehungsweise nutzungsorientiert anhand gespeicherter Daten geschalten und konsumiert. Und auch im Gesundheitswesen werden medizinische Daten oder Behandlungspläne gehäuft digitalisiert.

6. Was bedeutet Digitalisierung 4.0?

Digitalisierung 4.0 (oder Industrie 4.0) bezeichnet eine noch allumfassendere Vernetzung und Automatisierung von Produktionsschritten. Mitarbeiter, Unternehmen sowie einzelne Maschinen sind miteinander verbunden und können effizienzsteigernd produzieren. Es lassen sich komplette Fertigungsprozesse inklusive Logistik automatisieren. Schnittstellen sorgen für reibungslosen Datentransfer. Flexible und individuelle Lösungen sind machbar. Die Fertigungsgenauigkeit steigt, Kosten- und Zeitaufwand werden reduziert. 

Aktuell sieht Digitalisierung 4.0 vereinfacht gesprochen so aus: Der Mensch fungiert als Operator, plant und programmiert die Arbeitsschritte. Durchgeführt werden diese dann von miteinander vernetzten, technisch ausgereiften, effizient und kostengünstig produzierenden Maschinen. Inwieweit der Mensch in Zukunft in dieser Arbeitskette wegrationalisiert werden kann, bleibt abzuwarten. Fest steht, dass Arbeitsplätze abgebaut werden, aber gleichzeitig auch neue Posten mit veränderter beruflicher Qualifizierung entstehen. 

7. Positive und negative Auswirkungen der Digitalisierung

Die Auswirkungen von Digitalisierung sind allgegenwärtig und nicht mehr weg zu denken. Kaum jemand kann sich ein Leben ohne Computer oder Smartphone vorstellen. Unternehmen zählen auf Datenverarbeitungssysteme und peilen ein „papierloses Büro“ an, anstatt Unmengen an Ordnern in Lagerräumen zu verwalten. 

Viele Vorteile, die Digitalisierung bietet, liegen auf der Hand:

  • Sammlung und Langzeitarchivierung von enormen Datenmengen, die ohne Probleme gespeichert, dupliziert, verändert oder weitergegeben werden können.
  • Nahezu unbeschränkter und schneller Zugriff auf Informationen sowie problemloser weltweiter Austausch von Wissen und Forschungsergebnissen jeglicher Art.
  • Kein Informationsverlust und hohe Qualität bei Vervielfältigung der Daten bei gleichzeitiger Schonung der analogen Originale.
  • Geringere Produktionskosten.

Doch neben all den Vorteilen und positiven Folgen der Digitalisierung entstehen auch zahlreiche Problemstellungen.

Folgende Nachteile kann Digitalisierung mit sich bringen:

  • Besonders hervorzuheben ist hier der Sicherheitsaspekt. Einfacher und unbeschränkter Zugriff auf (mitunter persönliche) Daten haben große Auswirkungen auf die Privatsphäre. Der Mensch als gläserner Userin bzw. User im Internet, auf dessen persönliche Daten bei ungenügender Sicherung problemlos zugegriffen werden kann. Eine neue Art von Kriminalität hat sich entwickelt, deren Bekämpfung mitunter zu erheblichen Schwierigkeiten führt, da es schlichtweg unmöglich ist, die Gesamtheit aller Daten zu kontrollieren. 
  • Auch auf politischer Ebene spielt die Datenmanipulation eine große Rolle. Beispielsweise findet kaum mehr ein Wahlkampf ohne die Zuhilfenahme sozialer Medien statt. 
  • Die einfache und kostengünstige Herstellung digitaler Kopien von Tonbandträgern oder Filmen bringt neben den positiven Aspekten auch negative Folgen für Kunstschaffende mit sich. Konsumentinnen bzw. Konsumenten greifen häufig zu den viel günstigeren digitalen Kopien anstatt analoge Medien zu kaufen. 
  • Auch für den Gesundheitszustand des Menschen hat Digitalisierung negative Auswirkungen. Smartphone oder Tablet sind ständige Begleiter, Erreichbarkeit rund um die Uhr wird fast schon erwartet, die Folge ist (oft unbewusster) negativer Stress und Überlastung. Expertinnen bzw. Experten raten daher zu „Digital Detoxing“. Dies bedeutet, bewusst einige Tage digitale Medien beiseite zu legen und sich auf andere Dinge des Alltags zu konzentrieren.

Digitalisierung ist überall da zu finden, wo Informationen und Daten vorhanden und gespeichert sind. Wir können dem Phänomen nicht entkommen sondern müssen vielmehr die Fähigkeit entwickeln, kontrolliert und bedacht damit umzugehen. Digitale Kompetenz ist das Stichwort: Wieviel Digitalisierung ist gut für mich? Welche Medien benötige ich und worauf kann ich verzichten?

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